Vergleich
GradeFlow oder fobizz Korrekturhilfe: was die beiden für Schularbeiten taugen
Die KI-Korrekturhilfe von fobizz ist seit August 2026 nicht mehr standardmäßig verfügbar. fobizz begründet das damit, dass Sprachmodelle Texte nicht zuverlässig genug bewerten; Schulen können sie auf Gruppenebene wieder freischalten lassen. GradeFlow arbeitet mit Ihrem Bewertungsraster, macht je Kriterium einen Vorschlag und zeigt die Auswertung der Klasse. Die Lehrkraft entscheidet über Punkte und Note.
Was fobizz im August 2026 entschieden hat
Die Ankündigung vom 2. August 2026 ist kurz und deutlich:
„Die bisherigen Tools (Korrekturhilfe und KI Feedback) sowie die KI-Assistenten für Korrekturhilfe und SuS-Feedback […] sind nun nicht mehr standardmäßig verfügbar."
Die Begründung ist grundsätzlich:
„Große Sprachmodelle (LLMs) liefern bei der Bewertung von Texten keine ausreichend zuverlässigen Ergebnisse. Trotz intensiver Weiterentwicklung über anderthalb Jahre hat sich daran grundlegend nichts geändert."
„Bei gleicher Eingabe, gleichen Kriterien und wiederholter Auswertung liefern Sprachmodelle unterschiedliche Bewertungen."
Ganz verschwunden sind die Werkzeuge nicht:
- Freischaltung auf GruppenebeneSchulen und Institutionen, die die Werkzeuge bewusst weiter einsetzen möchten, können sie freischalten lassen. Die Entscheidung liegt dann „bei den Verantwortlichen vor Ort im Wissen um die beschriebenen Einschränkungen".
- Empfehlung an LehrkräfteKI-Chatbots für vorbereitende Aufgaben nutzen, etwa „für die Formulierung von Kriterien, die Entwicklung von Erwartungshorizonten oder die Erstellung von Übungsaufgaben oder Musterlösungen".
Was die Studie gezeigt hat
Den Anstoß zur Debatte gab ein Test, über den netzpolitik.org im Dezember 2024 berichtete. Von dort bis zur Abschaltung vergingen gut anderthalb Jahre:
- Dezember 2024netzpolitik.org berichtet über den Test von Rainer Mühlhoff (Universität Osnabrück) und Marte Henningsen (Universität Maastricht).
- Danachfobizz reagiert mit einer Einordnung, verschärft die Hinweise zum experimentellen Charakter und überarbeitet den Systemprompt.
- 7. Mai 2025Die Bremische Bürgerschaft befasst sich in der Fragestunde mit dem Test.
- 2. August 2026fobizz kündigt an, die Korrekturhilfe abzuschalten.
Der Test
Die beiden simulierten Hausaufgaben und ließen jede mehrfach bewerten:
- simulierte Hausaufgaben
- 10
- Bewertungen je Aufgabe
- 5
- Fälle, in denen die Note gleich blieb
- 2
„Das Programm vergab für mehrere Texte bei jeder Bewertung eine andere Note – in einem Fall für ein und dieselbe Aufgabe die Noten ungenügend, befriedigend und sehr gut."
Außerdem erkannte das Werkzeug Falschbehauptungen nicht und merkte Fehler an, wo keine waren.
Die Einordnung von fobizz
„Eine Bewertung ausschließlich seitens der fobizz KI-Korrekturhilfe ohne Überprüfung durch die Lehrkraft ist nicht verlässlich."
fobizz verschärfte nach eigener Aussage die Hinweise zum experimentellen Charakter des Werkzeugs und überarbeitete den Systemprompt. Anderthalb Jahre später folgte die Abschaltung.
Die Antwort des Bremer Senats
In der Fragestunde am 7. Mai 2025 antwortete Staatsrat Torsten Klieme für den Senat auf eine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Der Senat fasste die Studie so zusammen: Sie identifiziere „signifikante Mängel", darunter „eine hohe Zufälligkeit und Inkonsistenz der Bewertung und des Feedbacks".
Ob Bremer Lehrkräfte gerade die Korrekturhilfe nutzten, war dem Senat nicht bekannt. Klar war seine Linie:
„Grundsätzlich gilt aber im Land Bremen, dass die Beurteilung und Bewertung von Schüler:innenleistungen in der Verantwortung der Lehrkräfte liegt und nicht an Dritte, auch nicht an KI-Systeme, delegiert werden darf."
Auf Nachfrage sagte Klieme, einen Hinweis an die Schulen habe es noch nicht gegeben. Für dieses Werkzeug könne man aber empfehlen, es nicht zu benutzen.
Was das für jede KI-Korrekturhilfe heißt, auch für GradeFlow
Die Schwankung, die fobizz beschreibt, ist keine Eigenheit eines Anbieters. GradeFlow nutzt für Bewertungsvorschläge und Texterkennung ebenfalls ein Sprachmodell, Google Vertex AI. Auch dessen Vorschläge können bei derselben Abgabe unterschiedlich ausfallen.
Ein Werkzeug, das daraus selbstständig eine Note macht, gibt diese Schwankung an die Schülerinnen und Schüler weiter. GradeFlow ist deshalb so gebaut, dass es keine Note vergibt.
- SieKriterien festlegenEinmal, für alle Abgaben der Klasse
- GradeFlowVorschlag je KriteriumMit Punkten und Begründung
- SiePrüfen und ändernJeder Vorschlag ist editierbar, ergänzbar oder löschbar
- SieEntscheidenNichts wird automatisch vergeben
Das ist dieselbe Arbeitsteilung, die fobizz selbst als Voraussetzung nannte, nur als Grundeinstellung statt als Hinweis.
Der Blick auf die ganze Klasse
Ein Werkzeug, das jede Arbeit einzeln bewertet, sieht nicht, welche Aufgabe der ganzen Klasse Punkte gekostet hat. GradeFlow zeigt das als Auswertung über alle Abgaben, mit Notenspiegel und einer Präsentationsansicht, in der statt Namen „Schüler 1…n" steht.
Im Vergleich
| fobizz Korrekturhilfe | GradeFlow | |
|---|---|---|
| Verfügbarkeit | Seit August 2026 nicht mehr standardmäßig; auf Gruppenebene freischaltbar | Beta, während der Beta kostenlos |
| Ergebnis | Korrekturvorschläge für eine Vorkorrektur | Vorschlag je Kriterium Ihres Rasters, mit Punkten und Begründung |
| Rolle der Lehrkraft | Ohne Überprüfung durch die Lehrkraft laut fobizz „nicht verlässlich" | Lehrkraft entscheidet; nichts wird automatisch vergeben |
| Auswertung der Klasse | In den geprüften fobizz-Quellen nicht erwähnt | Auswertung je Aufgabe, Notenspiegel, Präsentationsansicht ohne Namen |
| KI-Verarbeitung | Anfragen gehen über eine Schnittstelle ohne Nutzerdaten an Sprachmodelle, als Beispiele nennt fobizz GPT-4 und Aleph Alpha; Vereinbarungen gegen Training; Ort der KI-Verarbeitung in den Datenschutzunterlagen nicht angegeben, die Kontodaten liegen laut fobizz in Europa | Google Vertex AI, Region europe-west4 (Niederlande); Server bei Hetzner in Nürnberg |
| Schülernamen | In den geprüften Quellen für die Korrekturhilfe nicht beschrieben | Werden nicht an den KI-Dienst übermittelt; Zuordnung über interne Kennungen |
| Lizenz | Einzel- und Schullizenzen für die fobizz-Werkzeuge | Keine Lizenz nötig während der Beta |
Datenschutz bei GradeFlow im Einzelnen
- Mit Hetzner und Google bestehen Auftragsverarbeitungsverträge nach Art. 28 DSGVO.
- Der E-Mail-Dienst Resend erhält für Anmeldemails nur die E-Mail-Adresse der Lehrkraft, keine Daten von Schülerinnen und Schülern.
- Bei handschriftlichen Abgaben geht der Scan der Seite an den KI-Dienst. Steht ein Name auf dem Blatt, ist er Teil dieses Bildes.
- Bewertungssitzungen werden nach der eingestellten Frist gelöscht, standardmäßig nach 12 Monaten.
- Das Konto lässt sich jederzeit selbst löschen, samt Klassen, Abgaben und Scans.
- Korrekturen fließen nur nach ausdrücklicher Einwilligung anonymisiert in die Verbesserung der Modelle ein.
- Verantwortlich für den Einsatz an einer Schule ist die Schulleitung, die ihn genehmigt.
- Einen Mustervertrag zur Auftragsverarbeitung zwischen Schule und GradeFlow gibt es noch nicht. Schulen, die vor dem Einsatz einen brauchen, wenden sich an hallo@usegradeflow.com.
Welche Lösung zu wem passt
Die Antwort hängt davon ab, wofür Sie KI heute einsetzen. Wählen Sie die Beschreibung, die am ehesten passt:
Was trifft auf Sie zu?
Ihre Schule hat fobizz lizenziert, und Sie nutzen vor allem KI-Chat, Arbeitsblätter oder Fortbildungen.
Für Sie ändert sich wenig. Für die Korrektur selbst empfiehlt fobizz nun, KI nur zur Vorbereitung einzusetzen, etwa für Kriterien und Musterlösungen.
Sie korrigieren Schularbeiten mit einem festen Raster und wollen sehen, woran die Klasse gescheitert ist.
Für genau diesen Fall ist GradeFlow gebaut. Rechnen Sie damit, jeden Vorschlag zu prüfen: Das ist die Arbeitsweise, nicht ein Mangel.
Sie wollen ohne KI-Werkzeug schneller korrigieren.
Beginnen Sie mit einem prüfbaren Raster, etwa dem Bewertungsraster für die Erörterung. Ein Raster, in dem jedes Kriterium eine Sache misst, macht die Korrektur gleichmäßiger, mit oder ohne Software.
Mit einer echten Schularbeit ausprobieren
Probieren Sie GradeFlow mit einer echten Schularbeit und Ihrem eigenen Raster aus. Während der Beta ist es kostenlos, ohne Zahlungsmittel und ohne Vertragsbindung.
Häufige Fragen
Gibt es die fobizz Korrekturhilfe noch?
Seit August 2026 ist sie nicht mehr standardmäßig verfügbar. Schulen und Institutionen, die sie weiter einsetzen wollen, können sie auf Gruppenebene freischalten lassen; die Entscheidung liegt dann bei den Verantwortlichen vor Ort.
Was hat die Studie zur fobizz Korrekturhilfe ergeben?
Rainer Mühlhoff und Marte Henningsen ließen zehn simulierte Hausaufgaben je fünfmal bewerten. Laut netzpolitik.org vergab das Werkzeug für mehrere Texte bei jedem Durchlauf eine andere Note und erkannte Falschbehauptungen nicht.
Hat GradeFlow dasselbe Problem wie fobizz?
GradeFlow nutzt ebenfalls ein Sprachmodell, dessen Ergebnisse schwanken können. Deshalb vergibt GradeFlow keine Note selbst: Es macht je Kriterium einen Vorschlag mit Begründung, und die Lehrkraft prüft und entscheidet.
Was kostet GradeFlow?
GradeFlow ist während der Beta kostenlos, ohne Zahlungsmittel und ohne Vertragsbindung. Sobald GradeFlow etwas kostet, wird das vorher angekündigt.
Quellen
- fobizz: KI-Korrektur und KI-Feedback: Warum wir diese Tools abschalten (2. August 2026)Angabe des Anbieters abgerufen am 4. November 2026
- fobizz: KI-Korrekturhilfe – eine Einordnung von fobizzAngabe des Anbieters abgerufen am 4. November 2026
- fobizz: Die fobizz Tools für Schule und UnterrichtAngabe des Anbieters abgerufen am 4. November 2026
- fobizz: PreiseAngabe des Anbieters abgerufen am 4. November 2026
- netzpolitik.org: Korrekturhilfe für Lehrkräfte: KI-Magie gegen die Bildungskrise (29. Dezember 2024)Sekundärquelle abgerufen am 4. November 2026
- Bremische Bürgerschaft (Landtag), Plenarprotokoll der 22. Sitzung, Fragestunde, Anfrage 2 (7. Mai 2025), S. 7154–7156Sekundärquelle abgerufen am 4. November 2026
- fobizz: Datenschutz und fobizz KI (Information für Lehrkräfte und Schulen; Handreichung für Eltern)Angabe des Anbieters abgerufen am 4. November 2026