Korrekturpraxis
Feedback-Formulierungen: Schluss
In argumentierenden Texten beantwortet ein gelungener Schluss die Frage der Einleitung und fügt etwas hinzu: ein Fazit, eine Forderung oder einen Ausblick. In der Erzählung rundet er die Handlung ab. Unten finden Sie 15 Formulierungen in drei Tonlagen, Beispiele vorher und nachher und die Kriterien in den Rastern nach LBVO § 16.
Formulierungen zum Kopieren
Der Schluss ist der letzte Eindruck, den ein Text hinterlässt. Eine Rückmeldung dazu sagt, was er leisten soll, nicht nur, dass er schwach ist. Die ersten drei jeder Tonlage passen zu Erörterung und Kommentar, die übrigen zu Leserbrief und Erzählung.
Sachlich
- Dein Schluss fasst nur zusammen, was im Hauptteil steht. Ergänze eine eigene Stellungnahme zur Streitfrage und begründe sie in einem Satz.
- Im Schluss taucht ein neues Argument auf. Verschieb es in den Hauptteil und führ es dort mit Begründung und Beispiel aus.
- Dein Fazit widerspricht dem, wofür du im Hauptteil argumentiert hast. Entscheide dich für eine Position und pass den Schluss daran an.
- Dein Leserbrief endet ohne Forderung, Vorschlag oder Fazit. Schreib zum Schluss, was die Redaktion oder die Leserschaft tun soll.
- Die Erzählung bricht nach dem Höhepunkt ab. Erzähl in zwei, drei Sätzen, wie es für die Hauptfigur ausgeht.
Ermutigend
- Dein Hauptteil ist stark, der Schluss wird ihm noch nicht gerecht. Greif die Frage aus deiner Einleitung auf und beantworte sie klar.
- Deine Stellungnahme am Ende ist deutlich. Gib ihr noch einen Ausblick: Was sollte als Nächstes passieren?
- Du wägst im Schluss sorgfältig ab. Trau dich jetzt, eine Seite zu wählen, und sag in einem Satz, warum sie schwerer wiegt.
- Du weißt genau, was du forderst. Begründe die Forderung mit deinem stärksten Argument, dann überzeugt sie auch Lesende, die anders denken.
- Der Schluss deiner Erzählung hat eine gute Pointe. Greif darin ein Detail vom Anfang auf, dann wirkt die Geschichte rund.
Knapp
- Schluss wiederholt nur. Eigene Stellungnahme ergänzen.
- Neues Argument im Schluss. In den Hauptteil verschieben.
- Frage der Einleitung bleibt offen. Im Schluss beantworten.
- Forderung oder Fazit fehlt. Einen Satz ergänzen.
- Ende fehlt. Ausgang der Handlung erzählen.
Woran Sie den Fehler erkennen
Am schnellsten zeigt sich ein schwacher Schluss, wenn Sie Einleitung und Schluss hintereinander lesen. Beantwortet der letzte Absatz die Frage des ersten? Die Beispiele sind erfunden.
| Im Text | Besser | Warum |
|---|---|---|
| Zusammenfassend kann man sagen, dass es Vorteile und Nachteile gibt. | Die Nachteile wiegen schwerer: Im Unterricht ist das Verbot sinnvoll, in den Pausen nicht. Darüber sollte der Schulgemeinschaftsausschuss abstimmen. | Stellungnahme und Ausblick statt eines Unentschieden. |
| Außerdem sind Uniformen auch teuer. (letzter Absatz) | Das Argument wandert in den Hauptteil. Der Schluss zieht das Fazit aus allen Argumenten. | Ein neues Argument gehört nicht in den Schluss. |
| Das wollte ich nur einmal sagen. | Ich fordere die Gemeinde auf, den Radweg bis zur Schule zu verlängern, bevor der nächste Unfall passiert. | Forderung mit Bezug auf den Anlass des Leserbriefs. |
| Und dann bin ich aufgewacht, und alles war nur ein Traum. | Lena hielt die Leine diesmal fest. Struppi sah sie an, als wüsste er genau, was er angerichtet hatte. | Der Schluss löst die Handlung, statt sie zurückzunehmen. |
Die erste Zeile ist ein Grenzfall. Ein abwägender Schluss ist kein Fehler, solange er am Ende eine Seite wählt.
Wo der Fehler im Raster zählt
Der Schluss gehört wie die Einleitung zum Inhalt, den LBVO § 16 unter anderem mit „Aufbau“ und „Ordnung“ beschreibt. Wie viel er zählt, richtet sich nach der Aufgabe. Das sagt Absatz 2 der Bestimmung:
„Diese fachlichen Aspekte sind unter Bedachtnahme auf die Aufgabenstellung und den Umfang der Schularbeit zu berücksichtigen.“
Verlangt die Angabe ausdrücklich eine Stellungnahme oder einen Appell, darf der Schluss mehr Gewicht bekommen. Die Raster auf dieser Website prüfen ihn so:
- Erörterung: „Der Schluss zieht ein Fazit und bezieht zur Streitfrage begründet Stellung.“ 3 von 40 Punkten.
- Leserbrief: „Der Brief endet mit einer Forderung, einem Vorschlag oder einem Fazit.“ 3 von 40 Punkten.
- Erzählung: Teil des Aufbau-Kriteriums mit Einleitung und Höhepunkt, 5 von 40 Punkten.
Im Beurteilungsraster der Matura zählt der Schluss zur Textstruktur. Die höchste Stufe beschreibt einen Text, der „durchgehend der Textsorte angemessen, klar, zielgerichtet“ strukturiert ist.
Welcher Schluss zu welcher Textsorte passt
„Schluss wiederholt nur“ ist nicht immer ein Fehler. Der Textsortenkatalog der SRDP verlangt je nach Textsorte etwas anderes vom letzten Absatz. Prüfen Sie vor der Rückmeldung, was Ihre Angabe verlangt:
Was soll der Schluss in dieser Textsorte leisten?
Ihre Klasse schreibt eine Erörterung.
Laut Katalog eine „Einordnung in einen größeren Zusammenhang und eventuell Ausblick“. In der Mittelschule reicht ein Fazit mit begründeter Stellungnahme.
Ihre Klasse schreibt einen Kommentar.
Einen „Schluss mit einer klaren Positionierung“. Ein Abwägen ohne Ergebnis verfehlt die Textsorte.
Ihre Klasse schreibt einen Leserbrief.
„Appell/Bewertung/Fazit/Ausblick etc. in Bezug auf den eingangs identifizierten Anlass“, danach die Schlussformel mit Name.
Ihre Klasse schreibt eine Meinungsrede.
„Zusammenfassung/Ausblick/Appell“. Hier ist eine Zusammenfassung ausdrücklich vorgesehen.
Ihre Klasse schreibt eine Textanalyse oder Textinterpretation.
Eine Zusammenfassung der Ergebnisse, bei der Analyse gegebenenfalls mit einer Einschätzung der Textqualität.
Die Erzählung kommt im Textsortenkatalog nicht vor. Hier gilt das Kriterium Ihres Rasters: Die Handlung ist abgeschlossen oder bewusst offen, aber nicht abgebrochen.
Rückmeldungen zum Schluss für die ganze Klasse vorbereiten
Tragen Sie den Schluss als eigene Anforderung ein, mit dem Wortlaut, den Ihre Textsorte verlangt. GradeFlow schlägt für jede Abgabe der Klasse vor, ob er erfüllt ist, und begründet das. Die Lehrkraft entscheidet und passt das Feedback an.
Wiederkehrende Formulierungen speichern Sie unter „Textbausteine“ und fügen sie im Review über „Aus Bibliothek“ ein.
Während der Beta ist GradeFlow kostenlos.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Fazit und Zusammenfassung?
Eine Zusammenfassung wiederholt, was im Text steht. Ein Fazit zieht daraus einen Schluss: Es sagt, welche Seite schwerer wiegt und warum, und beantwortet damit die Frage der Einleitung.
Ist ein offener Schluss in der Erzählung ein Fehler?
Nicht unbedingt. Ein offener Schluss ist eine Entscheidung, wenn der Höhepunkt erzählt ist und nur offen bleibt, wie es weitergeht. Ein Fehler ist ein Text, der vor dem Höhepunkt abbricht.
Wie lang soll der Schluss einer Erörterung sein?
Die LBVO und die Raster auf dieser Website nennen keine Länge. Als Richtwert für die Mittelschule reichen drei bis fünf Sätze: Fazit, begründete Stellungnahme und, wenn es passt, ein Ausblick.
Quellen
- Leistungsbeurteilungsverordnung § 16 (RIS)Primärquelle abgerufen am 5. November 2026
- Textsortenkatalog zur SRDP in der Unterrichtssprache, Stand September 2020 (matura.gv.at)Primärquelle abgerufen am 5. November 2026
- Beurteilungsraster SRDP Unterrichtssprache, gültig ab Schuljahr 2022/2023 (matura.gv.at)Primärquelle abgerufen am 5. November 2026
- GradeFlow Hilfe und häufige FragenEigene Angabe abgerufen am 5. November 2026